Bedienungsanleitung für Diktatoren oder warum Demokraten singen sollten!

"Carceleros guatanamo" by Zósimo - Fotografía tomada del natural. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Ein Gastbeitrag von Franziska Jentsch

Vor ein paar Wochen bin ich auf Youtube auf eine vom Liberty Forum am 18.03.2014 organisierte lecture (Vortrag) „Naomi Wolf – The End of America revisited“ gestoßen. Die Autorin, Journalistin und Aktivistin Naomi Wolf hat in ihrem 2007 erschienenen Buch The End of America. Letter of Warning to a Young Patriot (deutscher Titel: Wie zerstört man eine Demokratie: Das 10-Punkte-Programm) verschiedene Diktaturen miteinander verglichen und eine Art „blue print“ (ich nenne es eine Bedienungsanleitung) für Diktatoren herausgearbeitet. In ihrem Buch hat sie dargelegt, dass seit 11.09.2001 all diese Schritte beziehungsweise das komplette 10-Punkte Programm (in den Vereinigten Staaten) vollzogen werden und als Angriffe auf die Demokratie gewertet werden müssen. Da sie seit Erscheinen des Buches vermehrt auf ein Update für die Obama-Ära angesprochen wurde, spricht sie in ihrem Vortrag im März 2014 darüber, dass vieles inzwischen hinter den Kulissen geschieht, aber hierdurch auch weniger angreifbar geworden ist. Die Lage hat sich somit erheblich verschärft. Schon 2007 hatte Naomi Wolf in ihrer Einleitung geschrieben: „Dass ich die Lehren, die wir aus diesen Geschichten ziehen können, in der Form eines Pamphlets präsentiere, hängt damit zusammen, wie groß die Krise ist, der wir gegenüber stehen.“ Bei ihrem Vortrag vor dem Liberty Forum im März 2014 trägt sie ein rotes Kleid. Vielleicht ist das rote Kleid ja auch ein Ausdruck davon, dass etwas ganz Wichtiges gesagt werden muss.

Wir alle haben die Neigung Demokratie und Faschismus als „Alles-oder-Nichts-Kategorien“ zu betrachten. „Aber es ist eben nicht so, dass es eine pure, statische Demokratie auf den weißen Feldern des Schachbrettes gibt und auf den schwarzen Feldern einen ebenso puren, statischen Faschismus.“ Es existieren viele Grauschattierungen. Hannah Arendt definierte Totalitarismus als eine „Massenbewegung mit einer Führung, die die absolute Beherrschung des Individuums verlangt“. „Es wird oft vergessen, dass sowohl der deutsche als auch der italienische Faschismus legal und schrittweise in funktionierenden Demokratien an die Macht gekommen sind.“ Naomi Wolf verwendet in Bezug auf diese Schritte, welche die Grundlagen einer Diktatur schaffen und die, in einer Demokratie vollzogen werden, den Begriff: „facistic shift“ (faschistische Verschiebung). Ich möchte im weiteren Verlauf dieses Textes die 10 Punkte, welche notwendig sind um eine pluralistische, demokratische Gesellschaft in eine Diktatur zu verwandeln, zusammenfassend erläutern. Am Ende des Textes möchte ich darauf eingehen, inwieweit sich mein Demokratieverständis als Europäerin und als Deutsche von dem von Naomi Wolf unterscheidet und was uns verbindet, und warum erfolgreicher Protest ganz viel mit Würde zu tun hat. Zunächst aber möchte ich darlegen, warum es so wichtig ist: „Erinnerungen an die Zwangsmittel (…), mit denen Menschen in der Vergangenheit kontrolliert wurden“ wach zu halten und darauf hinzuweisen, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist.

Zukunft ist, Geschichte zu Ende denken

Genau wie die Nacht nicht plötzlich hereinbricht, kommt auch die Unterdrückung nicht schlagartig. In beiden Fällen gibt es eine Zeit des Zwielichts, in der alles scheinbar unverändert ist. Und in dem Zwielicht müssen wir alle mit höchster Aufmerksamkeit auf Veränderungen achten, so klein sie auch sein mögen, damit wir nicht zu ahnungslosen Opfern der Dunkelheit werden. (Richter William O. Douglas)

Naomi Wolf erklärt sowohl in ihrem Vortrag beim Liberty Forum, als auch in ihrem Buch, dass sie   seit 9-11 – seit dem Anschlag auf das World Trade Center „historische Echos“ wahrgenommen hat. Und dass, sie sich vor allem in Gesprächen mit „Holocaust Survivors“ des Eindruckes nicht erwehren konnte, dass viele der Maßnahmen, welche nach 9-11 sowohl durch die Bush-, als auch Obama-Regierungen vorgenommen wurden, an Vorgänge bei den Nazis vor, während und nach deren Machtübernahme, erinnern. Wolf betont immer wieder, dass es ihr nicht darum geht, zu beweisen, dass eine einflussreiche Person in der Regierung der Vereinigten Staaten Hitler oder Goebbels studiert hat, Wolf möchte auf etwas hinweisen. Alle Diktaturen über das gesamte politische Spektrum hinweg folgen – einem bestimmten Muster – einem bestimmten Drehbuch: „Herrschaft ist Herrschaft!“ Zwielichtige Vorgänge welche Wolf zum Grübeln gebracht haben, waren unter anderen:

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Franziska Jentsch

Franziska Jentsch
Franziska Jentsch, geboren 1982 in Hildburhausen in Thüringen, war von Februar 2001 bis September 2002 Freiwillige bei ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V.) in Berlin und in Amsterdam. Ab September 2002 hat sie Kulturanthropologie und Fotoagrafie in den Niederlanden studiert. Seit Juni 2008 lebt sie wieder in Berlin und arbeitet als Künstlerin und als persönliche Assistentin für Menschen mit Behinderung. Sie ist seit November 2014 Beisitzerin im Vorstand des Berliner Landesverbandes der Piratenpartei Deutschland. Webseiten: www.franziskajentsch.net www.internetfeelslike.net www.re-migration.blogspot.de