Stolpersteine: ein Kunstwerk, das eine neue öffentliche Wahrnehmung der NS-Verbrechen hervorruft – und ein politisches Projekt

Einladung zur 7. Peira-Matinee

9. November 2014, 11:00 Uhr – 13:00 Uhr
Cum Laude das Restaurant
Humboldt-Universität zu Berlin
Am Festungsgraben, 10117 Berlin

Ein Gespräch mit:

Petra T. Fritsche

Moderiert von:

Rainer Thiem
Peira – Gesellschaft für politisches Wagnis

Die Stolpersteine sind Mahnmal, Kunstwerk und Geschichtsprojekt. Bei der Spurensuche nach dem Lebensweg eines NS-Opfers, für das man einen Stolperstein legen will, werden sowohl NS-Dokumente als auch Dokumente der Entschädigungs- und Rückgabeakten gelesen.Dabei erfährt man von der Ausgrenzung, Ausplünderung und Deportation des Opfers und auch, aufgrund welcher Gesetze und Verordnungen dies geschah. Wenn man hiervon Kenntnis erhält, verweist das ebenfalls auf die anderen Opfer beziehungsweise Opfergruppen.Die Dokumente, Fotos, Erlebnisberichte in den Archiven geben gleichzeitig einen Einblick darein, wie viele Bürger von diesen Ausplünderungen, Verwertungen und Deportationen wussten, d.h. wie umfassend die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Verbrechen in der NS-Diktatur war.

Die Nachforschungen führen auch dazu, dass man auf Nachkommen und Angehörige der Opfer stößt. Oftmals entwickelt sich dadurch eine Korrespondenz und auch der Austausch von Dokumenten, Bildern und Zeugnissen und Erinnerungen. Erinnerungsräume werden so auch bei den Opfer-Familien erschlossen, da das Beschweigen nicht nur in der Welt des Tätervolkes stattfand; auch in den Familien der Opfer wurde nicht gesprochen.Diese Familienmitglieder kommen häufig zu den Übergabe-Zeremonien. Der Kommunikationsraum zwischen den Paten der Stolpersteine und den Angehörigen ist Generationen- und Länderübergreifend. Er verbindet Nachkommen der Täter und Opfer, weil des Einzelnen gedacht wird. Durch die Stolpersteine ist es möglich geworden, dass die Nachkommen der Tätergeneration und die Angehörigen der Opfer gemeinsam um einen Menschen trauern.

Die Stärke des Projekts besteht darin, dass es sich entwickelt. Es gibt keinen vorgegebenen Zugang und keine Erwartungshaltung einer Organisation oder des Künstlers selbst, wie die Recherche, die Übergabe der Steine an die Öffentlichkeit oder die Begehung des Denkmals zu erfolgen habe. Dennoch wird wegen des Umfangs des Projekts ein administrativer Rahmen benötigt, damit die Verlegungen koordiniert werden und vor allem die Wünsche der – meist ausländischen – Angehörigen – erfüllt werden können. Für den Erhalt eines solchen administrativen Rahmens kämpft seit einiger Zeit auch Petra T. Fritsche als Mitglied der Initiativgruppe Stolpersteine Friedenau und Autorin des aktuell erschienenen Buches „Stolpersteine – Das Gedächtnis einer Straße“ .

Wir freuen uns auf Ihre aktive Teilnahme. Um die Teilnehmerzahl besser abschätzen zu können, bitten wir um Ihre Registrierung über das nebenstehende Online-Formular.

Audiomittschnitt in Vorbereitung